Silkeborg IF – Randers FC 1-1 / Bröndby – Sporting Lissabon 0-3 [EL]

Eigentlich hatte ich mir für die Sommerpause vorgenommen mal kein Fussballstadion von innen zu sehen. Die letzte Saison, vor allem die letzten Wochen vorm endgültigen Aufstieg ins Fussballoberhaus, waren schon sehr nervenaufreibend und irgendwie war ich “fussballmüde”. Ich wollte einfach am Wochenende mal was anderes machen und mich mal nicht mit Fussball beschäftigen – zumindest nicht live vorort und im Stadion. Dieses Vorhaben konnte ich allerdings nicht komplett einhalten.  Kurz vor Abfahrt Richtung Dänemark (10-tägige Rundreise) hab ich mir dann doch mal den Spielplan der dänischen Superligean angeschaut. Mal so fürn Notfall, falls das Wetter keinen Strandurlaub mehr erlaubt und die Sehenswürdigkeiten nicht sehenswert sind … Irgendwo auf unserer Route – zwischen Esbjerg und Kopenhagen – müsste es doch ´nen Spiel geben, was man mitnehmen kann. Die dänische Liga steht jetzt zwar nicht gerade für großartige Fussballkunst, aber irgendwie auch egal. Eigentlich immer wieder schön in fremde und unbekannte Stadien zu gehen, die dortige Anhängerschaft kennenzulernen und zu beobachten, was in der Bundesliga alles besser bzw. schlechter ist.

Unsere erste “Reise” führte uns am Sonntag, den 22.08.2010 zum “Nachbarschaftsduell” zwischen Silkeborg IF und Randers FC.  Die beiden Ortschaften liegen ca. 50km voneinander entfernt und ein Blick auf die Tabelle versprach nicht unbedindgt einen fussballerischen Leckerbissen. Silkeborg nach 6.Spieltag mit gerade mal 3 Punkten Tabellenletzter, Randers mit 6 Punkten irgendwo unbedeutend im Mittelfeld die Tabelle. Anstoss war um 16.00 Uhr. Wir waren schon relativ zeitig am Stadion, da wir natürlich nicht abschätzen konnten, wie so die Kartensituation vorort aussieht und was uns überhaupt erwartet. Den Verein Silkeborg IF kannte ich bis dato wirklich nur vom Namen her. Keinerlei Infos über den Verein, deren Stadion geschweige denn deren Fans. Das Silkeborg-Stadion liegt mitten im Wohngebiet am Stadtrand und bietet Platz für 9.200 Zuschauer. Von denen war aber 2 Stunden vor Anpfiff wirklich rein gar nichts zu sehen. 2 ältere Damen, die gerade dabei waren ihren “Fan-Shop” startklar zu machen, waren die einzigen Personen weit und breit. Das Angebot an Fanutensilien war sehr vielversprechend. 1 Schal, 1 Mütze, ein paar Aufkleber … mehr gab es da nicht! Das Spiel selber haben dann gerade mal 3.606 Zuschauer verfolgt, davon vielleicht geschätzte 200 Fans der Gastmannschaft aus Randers. Vorm Spiel wurden am Aufgang zu den Tribünen nette kleine Zettelchen mit 2-3 aufgedruckten Schlachtrufen von Silkeborg verteilt mit genauer Anleitung, wann und wie oft man denn die einzelnen Strophen singen soll … sehr geil! :) Man lässt halt nichts unversucht um aus dem Tabellenkeller rauszukommen. Unser Platz lag mitten im Familienblock, direkt neben den Fans von Silkeborg IF. Viele kleine Kinder, die 90min. über sämtliche Bänke kletterten und in regelmäßigen Abständen den vorbeifahrenden Süssigkeitenwagen plünderten. Das Spiel selber hatte absolutes Regionalliga-Niveau. Langsamer Spielaufbau, Fehlpässe am laufenden Band und vorm 16er war definitiv Feierabend mit der Torgefährlichkeit. Warum die beiden Mannschaften irgendwo im Niemandsland rumdümpeln, stellten sie eindrucksvoll unter Beweis. In der 2ten Halbzeit wurde es etwas besser und immerhin bekamen wir noch doch 2 Tore zu sehen.  Randers ging nach ca. 60min. in Führung und kassierte dann doch noch in der Nachspielzeit den viel umjubelten Ausgleich für Silkeborg. Im Großen und Ganzen war es schon ´nen sehr netter und interessanter Nachmittag. Einfach mal ´nen Fussballspiel verfolgen, ganz ohne Emotionen, hat auch was! Nur rein fussballerisch hat mich das Ganze wirklich überhaupt nicht umgehauen.

Das zweite Spiel sollte um einiges interessanter werden. Unsere beiden letzten Urlaubstage führten uns nach Kopenhagen und der Fussballgott schenkte uns keinen grauen dänischen Fussballalltag, sondern Europapokal. Die Qualifikation zur UEFA Euro-League stand an. Dänemarks wohl bekanntester Verein Bröndby Kopenhagen empfing im heimischen Bröndby-Stadion Sporting Lissabon aus Portugal und stand vor dem Rückspiel schon mit 1 1/2 Beinen in der Gruppenphase der Euro-League. Das Hinspiel in Lissabon gewann Bröndby mit 2-0 und eigentlich konnte im Rückspiel nichts mehr schief gehen. Eigentlich, wenn man sich in der Abwehr nicht so saudämlich angestellt hätte. Aber dazu später etwas mehr.

Auftritte von Bröndby habe ich in der Vergangenheit regelmäßig verfolgt. International ist Bröndby eigentlich immer vertreten und in regelmäßigen Abständen gibts auch Spiele gegen deutsche Mannschaften im europäischen Pokal. Unvergessen das Spiel gegen die Frankfurter Eintracht in der Saison 1990/1991 beim 5-0 mit 3 Toren von Bent Christensen. Der Bent Christensen, der anschließend 2 Jahre bei Schalke 04 gerade 8x in 49 Spielen traf. Und natürlich ist Bröndby Kopenhagen der Heimatverein von Ebbe Sand. Und eben dieser Ebbe Sand ist mir (als verkappter Schalke-Fan) natürlich in allerbester Erinnerung. Neben Youri Mulder, der geilste Offensivmann den Schalke – in meiner Zeit – hatte.

Das Stadion liegt etwas außerhalb vom Zentrum Kopenhagens im Stadtteil Bröndby. Ein reines Fussballstadion, komplett überdacht und mit 29.000 Plätzen das zweitgrößte Stadion in Dänemark. Das Spiel gegen Sporting Lissabon war allerdings nicht ganz ausverkauft. Knapp 23.000 Zuschauer waren an diesem schönen Spätsommertag im Stadion. Da der Heimbereich von Bröndby allerdings komplett ausverkauft war und wir unseren Karten wirklich erst gut 2 Stunden vor Anpfiff direkt am Stadion gekauft haben, saßen wir im Oberrang direkt über dem kleinen Haufen an Sporting-Fans. 215 dkr. (rund 30 Euro) find ich schon ganz schön happig, aber wenn man bedenkt, dass ´nen halber Liter Bier im Stadion 65 dkr. (also knapp 10 Euro) kostet, dann wohl doch nen echtes Schnäppchen. Ist halt Europapokal ne …

Ich würde schätzen das es maximal 100 Sporting-Fans waren, die ihre Hoffnung auf eine Qualifikation zur Gruppenphase der EL nicht aufgaben und die Reise nach Kopenhagen angetreten haben. Diejenigen die da waren, werden es mit Sicherheit nicht bereut haben – ganz im Gegenteil.

Vorm Spiel gab es eine ziemlich schicke Choreographie der Bröndby-Fans. Die Heimkurve komplett in den Vereinsfarben blau-gelb gehüllt, dazu ein großes Spruchband auf dem stand: ” 90 MINUTTER FRA DROMMEN OM EUROPA”. Was das heißt, brauch ich wohl nicht übersetzen.

Bröndby war in den ersten 15min. drückend überlegen und hätte in Führung gehen müssen. Sporting Lissabon bekam rein gar nichts auf die Kette und eigentlich war es nur ne Frage der Zeit, bis der Traum von Sporting von der Teilnahme an der Euro-League endgültig platzen sollte. In der Mitte der ersten Halbzeit verflachte das Spiel etwas und pünktlich mit dem Halbzeitpfiff schoss Sporting ziemlich überraschend das 0-1.

In der zweiten Hälfte passierte bis zur 75min. eigentlich nicht besonders viel. Das Spiel war ausgegelichen, aber man hatte die ganze Zeit über nicht das Gefühl das Sporting hier noch irgendwas reißt. Tja, bis eben ne Viertelstunde vor Schluss. Da kommen die Portugiesen einmal vors Tor und machen das 0-2.  Sporting witterte die große Chance hier doch noch was zu reißen, Bröndby wurd immer nervöser. Der Rest im Stadion, Nina und ich hatten uns schon  auf ´ne Verlängerung eingestellt. Nur leider die Abwehr von Bröndby nicht. Merkwürdige Auflösungserscheinungen und anstatt das 0-2 über die Runden zu bringen, lassen sie sich 1A auskontern und kassieren in der ersten Minute der Nachspielzeit das 0-3! Europa, wir gehen ohne überhaupt richtig da gewesen zu sein … einfach nur saudumm. Für die Anhänger von Sporting natürlich ein unglaublich geiles Ende. Da kriegste zu Hause 0-2 auf die Kappe, fährst nach Kopenhagen um ´ne Stadtrundfahrt zu machen und abends noch nen bißchen Fussball zu schauen und dann gewinnste hier 0-3 und gehst voll ab!

Mich persönlich hat es doch nen bißchen gewurmt, da ich Bröndby doch schon ganz gerne in der Euro-League gesehen hätte. Trotzdem war es ein unvergesslicher Besuch. Die Atmosphäre im Stadion und das Umfeld empfand ich als sehr angenehm, nur das Ergebnis hat halt leider nicht ganz gepasst.

Fotos aus Silkeborg und Kopenhagen gibt´s hier:

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