Der Heilige Ewald, Part. II

königewald

Kurz vor Ablauf der Saison hau ich nochmal einen raus. Erst der dritte Spielbericht nach 33. Spieltagen. Aber meine Euphorie aus den letzten Wochen, scheint sich positiv auf meine Schreiblust auszuwirken. Verdammte Axt – hätte mir jemand vor einigen Wochen prophezeit, dass wir vor dem 34. Spieltag überm Strich stehen und den Klassenerhalt in eigener Hand haben, ich hätte ihn laut ausgelacht – aber sowas von. Nach all den gruseligen Auftritten auf des Gegners Platze und die miesen Heimspiele, hätte ich damit mit Sicherheit nicht gerechnet. Aber irgendwas scheint in den letzten Wochen passiert zu sein. Die Jungens in braun-weiß können aufeinmal kicken, ja sogar kombinieren. Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte haben gegen uns nix zu lachen und so konnten aus den letzten 7 Spielen tatsächlich 5 Siege eingefahren werden. Gegen Düsseldorf und Bochum brilliert, gegen Nürnberg und Leipzig bis zum Schluss gefightet und in der Region durch Kaltschnäuzigkeit geglänzt. Das Spiel gegen Heidenheim klammern wir mal aus.

Als Vater des Erfolgs darf man ruhigen Gewissens König Ewald benennen. Was er aus dieser verunsicherten Schießbude im Laufe der Rückrunde gemacht hat – Hut ab! Das bunte Treiben auf dem Platz sieht endlich wieder nach Fussball aus. Es wird kombiniert, einzelne Spieler rufen ihr Leistungspotential ab und das Toreschiessen klappt auch wieder. Zu Kölner Zeiten taufte man Lienen den Heiligen Ewald und eine bekannte Kölner Kappelle schreib die Heldenansage vom Heiligen Ewald. Vielleicht findet sie bei uns ja ihre Fortsetzung, so nachdem Motto: “Und dann zu Hause gegen Red Bull Leipzig, das ganze Stadion verneigt sich. Kurz danach in der Region, die Punkte ham wa schon.”

Das Spiel gestern gegen Bochum begann ziemlich beschissen. 0:1 nach gerade mal 4 Minuten durch den ehemaligen St. Paulianer Gregoritsch, der gefühlt bei uns nicht einmal einen Möbelwagen getroffen hat. In Bochum scheint er es besser zu machen. In der 11. Minute hätte er nachlegen müssen. Frei vor Himmelmann, aber Gott sei Dank vorbei. Ich glaube, wenn Bochum mit 2:0 in Führung gegangen wäre, dann hätten wir ein anderes Spielende erlebt. So kamen wir kurz vor der Pause durch ein blitzsauberes Tor von Thy, wie einst Gerd Müller, zum Ausgleich. Halstenberg legte mit einem strammen Schuss ins Eck, quasi mit dem Halbzeitpfiff nach. 2:1 Führung. Pause. Runterkommen. Luft holen. Emotionen unter Kontrolle bringen, Ergebnisse auf den anderen Plätzen checken.

Die zweite Halbzeit war erst wenige Minuten alt, da markierte Buchtmann in bester “Max-Kruse-Gedächnis-Manier” mit einem tollen Solo von der Mittellinie aus das 3:1. Jetzt schien der Drops gelutscht. Bochum ergab sich seinem Schicksal. Thy durfte sich, nach toller Vorarbeit von Daube, zum zweiten Mal an diesem Tag in die Torschützenliste eintragen. Den Schlusspunkt setzte Sobotta mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze ins untere Eck. Endstand 5:1. Trotz des hohen Sieges herrschte eine eher ruhige Stimmung im Stadion. Ein Blick auf die Anzeigentafel zeigte die anderen Ergebnisse aus den restlichen Stadion und sie hätten besser sein können. So müssen wir bis zum letzten Spieltag zittern und ich gebe zu, dass ich liebend gerne unter anderen Voraussetzungen nach Darmstadt gefahren wäre. So geht es für beide Mannschaften noch um unheimlich viel. Aufstieg in die Bundesliga oder Abstieg in die 3. Liga.

Abgesehen vom sportlichen Wert dieser Partie, freue ich mich auf die Auswärtstour nach Darmstadt. Altes Stadion (in dem ich bisher noch nie gewesen bin), Traditionsverein und eine durchaus sympathische Fanszene. Hoffentlich können wir am Ende beide jubeln.

Wie eigentlich immer beim letzten Heimspiel einer Saison, werden Spieler verabschiedet, die unseren Verein nach der Saison verlassen. Dieses Mal waren es 3 Spieler, die sich einer neuen sportlichen oder beruflichen Herausforderung stellen und nicht mehr in braun-weiß auflaufen werden.  Dennis Daube, Florian Kringe und Philipp Tschauner – alles Spieler, die den FC St. Pauli in den letzten Jahren mit geprägt haben und sowohl auf als auch neben dem Platz immer ordentlich Pluspunkte sammeln konnten. Man kann Ihnen nur alles Gute für Ihre Zukunft wünschen. Verdient haben sie es auf jeden Fall.

Last but not least noch einen kleinen Gruß ins Ruhrgebiet an meinen Zweitverein Schalke 04. Ihr habt am Samstag die historische Chance, die Vorstadt endlich und vollkommen verdient in die 2. Liga zu schießen. Verkackt diese Chance nicht. Die Saison ist schon scheisse genug gelaufen und der Verein gibt mehr denn je ein jämmerliches Bild ab, aber reisst euch vielleicht noch 1x zusammen und kegelt HW4 & Co. weg.

Weitere Bericht und Fotos zum Spiel gegen Bochum findet Ihr hier:

Muckefuck Sankt Pauli – Du bist keine Schönheit
Fotos von Stefan Groenveld
BeebleBlox – Rettungsring und Strohhalm
Randnotizen.Schunino – Statistisch gesehen
Kleiner Tod FC St. Pauli Blog
Grenzenlos St. Pauli – Nichts genaues weiß man nicht

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