Sicherheit, 2. Liga, Emotionen – das Fussballjahr 2012 neigt sich dem Ende entgegen …

Pünktlich zum Jahresende schmeißt jeder x-beliebige Fernsehsender seine “Best of 2012″ Sendung auf den Markt. Jahresrückblicke, überflüssige Musikstücke und unfassbare Schicksale des Jahres reihen sich kurz vor der Jahreswende im Abendprogramm von RTL & Co. aneinander. Und auch der Fussball hat uns in diesem Jahr definitiv genug Stoff geliefert, um einen ausführlichen Jahresbericht zu schreiben.

Vorne weg natürlich die ganze Debatte um ein sicheres Stadionerlebnis. Panikmache seitens der Polizei und die unendliche Hetze diverser Politiker und der Medien, unsere Fussballstadien doch endlich zu Hochsicherheitsgefängnissen verkommen zu lassen, haben dazu geführt das letzte Woche ein Sicherheitspaket verabschiedet wurde, was den Besuch im Stadion ab der Saison 2013/2014 noch sicherer machen soll. Wochenlang haben die aktiven Fanszenen für eine Ablehnung dieses Papiers plädiert, Stimmungsboykotts im Stadion ausgerufen und den Verantwortlichen vor Augen gehalten, wie es in naher Zukunft im Stadion aussehen kann, wenn dieser Sicherheitslappen greift – nur leider ohne Erfolg. Der Verband sehnt sich nach Stadien, die der zahlungskräftigen Kundschaft ein Paradies für wohltuende Wochenendunterhaltung bietet. Das Ganze natürlich ohne kriegsähnliche Zustände oder erzeugte Todesängste. Sicher soll man sich fühlen, wenn man seine Stadionwurst konsumiert, mit der Klatschpappe des Sponsors in der Hand das eigene Team anfeuert oder den ein oder anderen Euro für Eierbecher in Vereinsfarben ausgibt.

Bloß keinen Platz mehr für den aktiven Fussballfan, der es lieber laut, bunt, emotional und mit einer ordentlichen Portion Leidenschaft mag. Emotionen füllen nämlich keine Kassen, sondern plündern sie nur. Nämlich dann, wenn unser Fussballverband mal wieder völlig überhöhte und aus der Luft gegriffene Geldstrafen für nicht angemeldete Kindergeburtstage mit ordentlich Papier und bunten Lichtern verhängt. Damit Pyrotechnik auch in Zukunft nicht ins Stadion gelangt, darf ich mir dann evtl. ab der nächsten Saison auch in den Hintern gucken lassen, falls ein solches Feuerwerk bei mir vermutet wird. Denn eins soll der gewünschte Fussballfan von morgen auf keinen Fall vergessen – ein bißchen farbiges Licht und etwas Rauch ist genauso gefährlich wie Rassismus, Homophopie und gelebtes Nazitum in unseren Stadion. Nur wird darüber ungern berichtet, denn unsere Herrschaften von DFB & Co. stehen ja für Toleranz, Gemeinschaft und vor allem gegen jede Art von Fremdenfeindlichkeit. Da reicht es dann auch, wenn man dem Rassimus im Stadion mal die rote Karte zeigt.

Viel besser lesen sich natürlich die offiziellen Zahlen der ZIS über verhängte Strafverfahren im Fussball. Da werden aberwitzige Zahlen präsentiert, die dem neutralen Beobachter suggerieren sollen, wie unglaublich gefährlich ein Stadionbesuch doch ist. Wie diese Straftaten zustandekommen und wer letztlich dafür verantwortlich ist, wird allerdings schön verschwiegen. Gleichzeitig melden sich aussortierte Persönlichkeiten aus Funk & Fernsehen zu Wort, die vom Fussball und dem Fandasein genauso wenig Ahnung haben, wie der Veganer von der Zubereitung einer ordentlichen Hackfleischpfanne. Da fallen dann so unqualifizierte Bezeichnungen wie die “Taliban der Fussballfans”. Aber auch in höheren Kreisen der Polizeigewerktschaft holt man gerne mal den Hammer raus und erzeugt – zumindest bei mir – einen solchen Kotzreiz, den nicht einmal der Genuss von alkoholischen Getränken diverser Feierlichkeiten zusammengefasst, verursachen würde. Ich möchte mal die Fresse von Rainer Wendt sehen, wenn er sich vor seiner Belegschaft blank ziehen darf, weil man ´nen geklauten Kugelschreiber in seinem Hintern vermutet. Hansi Küpper hat es vor einigen Tagen übrigens auf den Punkt gebracht. Danke dafür!

Hansi Küpper sagt´s mal

Die Befürchtung, dass durch die Verabschiedung dieses Sicherheitspapieres der Weg zum polierten Saubermannfussball weiter geteert wird, ist groß. Seit über 20 Jahren fahre ich regelmäßig zum Fussball, hab knapp 400 Spiele live im Stadion verfolgt, aber wenn die Entwicklung im Fussball weiter so voranschreitet, dann bin ich raus. Ich habe keine Lust mir diktieren zu lassen, welches Spiel ich besuchen darf und welches nicht. Ich habe keine Lust, nur weil ich mich als Fussballfan zu erkennen gebe, als potientieller Störenfried abgestempelt zu werden, der sich verschärften und unrechtmäßigen Kontrollen unterziehen muss, nur weil irgendwelche Politiker und “Fachleute” der öffentlichen Sicherheit Horrorszenarien in deutschen Stadien prophezeien. Außerdem habe ich keine Lust den beruflichen Frust irgendwelcher behelmten Vollidioten auszubaden, die das Geschehen rundum ein Fussballspiel zum Anlass nehmen, ihrem verko(r)ksten Werdegang neuen Glanz zu verschaffen.

Neben dieser ganzen Sicherheitsdebatte hat aber auch der FC St. Pauli im Jahr 2012 einiges an Stoff zusammengetragen, um daraus ´nen schönen Jahresbericht zu schreiben. Hat man im Frühjahr nur ganz knapp den Aufstieg in die Fussball Bundesliga bzw. das Erreichen eines Relegationsplatzes verpasst, so ist die sportliche Situation am Ende des Jahres nicht ganz so rosig. Platz 13 mit 22 Punkten und der schlechtesten Offensive aller Zweitligamannschaften. 18 erzielte Tore in 19 Spielen sieht nicht unbedingt nach permanentem Toreschießen aus. Und auch die gezeigten Leistungen im Verlauf der Hinrunde auf dem grünen Rasen, erinnerten teilweise an ganz düstere Regionalligazeiten.

Ich muss zugeben, daß ich diese Hinrunde teilweise ziemlich emotionslos verfolgt habe. Vor allem den ersten Teil dieser Spielzeit unter Schubert. Das war Fussball zum Abgewöhnen und das Auftreten der Mannschaft teilweise nicht zu ertragen. Mir fehlt einfach ein richtiger Bezug zu der Truppe, was mit Sicherheit auch an den vielen Abgängen verdienter und qualitativ hochwertigen Spielern liegt. Inzwischen komm ich mit dieser Situation etwas besser zurecht, aber so richtig warm werde ich mit der Mannschaft immer noch nicht. Ich kann mich tatsächlich nur an ein richtiges Spiel in der Hinrunde erinnern, wo ich mal so richtig dabei war – nämlich das Spiel gegen Kaiserslautern. Das hatte wieder so ein bißchen etwas von alter Millerntor-Romantik! Kämpfen, Gras fressen und einen bis dato unschlagbaren Gegner in die Knie zwingen. Davon kann ich auf jeden Fall mehr ertragen. Was gab es sonst noch so?

Thema Neuverpflichtungen: Für mich persönlich den besten Schachzug in Puncto Neuverpflichtungen haben wir mit Christopher Avevor gemacht. Ich würde ihn schon fast als meinen derzeitigen Lieblingsspieler betrachten. Leider nur ausgeliehen, aber definitiv eine absolute Verstärkung. Gleiches gilt für Ginczek und Buchtmann. Bei Buchtmann war ich lange Zeit wirklich skeptisch, ob der überhaupt irgendwas reißen kann. Die letzten Spiele von ihm, waren allerdings sehr vielversprechend. Und im Gegensatz zu Avevor und Ginczek, könnte er noch über die Saison hinaus bei uns spielen, wenn er denn will. Florian Mohr hat auch ´nen recht guten Eindruck hinterlassen, wenn er denn gespielt hat.

Über die anderen Neuverpflichtungen kann man noch nicht soviel sagen. Gyau, Gogia, Thy haben vielleicht mal ganz gute Ansätze gezeigt, aber mehr auch nicht. Vielleicht kommt das ja alles zur Rückrunde und die Jungs rollen das Feld von hinten auf.

Thema Alter Stamm: Tja, was soll ich sagen – am meisten enttäuscht hat mich in dieser Hinrunde zweifelsohne Marius Ebbers. Wat is nur los mit unserem Goalgetter aus früheren Tagen? Da kommt einfach wenig bis gar nichts mehr. Und neben dem fussballerischen Leistungsloch gefällt mir auch die Körpersprache auf dem Platz nicht. Das sieht alles so lustlos und behäbig aus, dass man teilweise das Gefühl bekommt, es wär eine Erlösung für alle Beteiligten, wenn Ebbers nicht spielen muss. Mir tut es echt weh, sowas hier zu schreiben. Ich mag Ebbers gerne – sein Trikot aus der Ausstiegssaion liegt immer noch nagelneu und ungetragen hier rum. Der gute Ebbers hat soviel gutes für den FC St. Pauli getan und ist definitiv ein ganz großer Sympathieträger, aber aus rein sportlicher Sicht scheint sein Zenit längst überschritten. Gleiches gilt übrigens für Florian Bruns.

Präsidium: Unser liebes Präsidium – was am Anfang des Jahres mit einer klaren Stellungnahme zu den Vorkommnissen beim Schweinske-Cup vielversprechend begann, hat im Laufe des Jahres gehörig nachgelassen. Erst dieses ganze Theater um die Entlassung von Helmut Schulte und die Weiterbeschäftigung von André Schubert, die sich im nachhinein als völlig falsch erwiesen hat. Über die Arbeit und das Verhalten von Schulte kann man auch streiten, aber dieser Disput unter allen Beteiligten vor der Saison, hat uns auf jeden Fall in Bezug auf Neuverpflichtungen und Zusammenstellung des Kaders nicht gut getan. Mit Rachid Azzouzi wurde ein mehr als anständiger Ersatz für Helmut Schulte gefunden. Das lässt hoffen!

Der absolute Höhepunkt für mich in Bezug auf Unzulänglichkeiten der Herrschaften Orth & Co. war die ganze Diskussion über die Errichtung der neuen Stadionwache in der Gegengerade und vor allem das Mitwirken von Dr. Gernot Stenger bei der Erstellung des Sicherheitspapiers. Seine Entschuldigungen und merkwürdigen Erklärungen auf der JHV, haben mich auch nicht wirklich überzeugt! Das Ganze kam etwas weinerlich rüber, als hätte sich komplette Fanwelt des FC St. Pauli gegen ihn verschworen, obwohl er doch nur das Beste für den Verein und seine Fans will. Mag sein, dass er das will – kommt aber auf keinen Fall so rüber. Den Vogel abgeschossen an dem Abend der JHV hat aber Dr. Bernd-Georg Spies. Was für eine arrogante und überhebliche Rede – einfach nur ekelhaft! Den Vereinsmitgliedern auf Augenhöhe begegnen und ihnen respektvoll gegenübertreten, sieht anders aus. Man hat sowieso oft das Gefühl, als wenn das Präsidium die Fanszene als lästigen Klotz am Bein sieht! Immer nur Gemecker und “dagegen sein” scheint nicht wirklich gut anzukommen. So hat man sich dann auch dagegen entschieden, eine gemeinsame Erklärung zur Ablehnung des Sicherheitspapiers abzugeben. Hier sei mal das vorbildliche Verhalten von Union Berlin und seinem Präsident Dirk Zingler erwähnt. So ein klares Bekenntnis und ein noch deutlicheres “Nein” wäre von unserem Präsidium auch mal wünschenswert gewesen! Bei Dr. Stenger & Co. muß der Druck von außen erstmal richtig groß werden, damit man sich bewegt. Ansonsten hat es den Anschein, dass man versucht alles schön klammheimlich unter den Teppich zu kehren, damit es bloß niemand mitbekommt. Ich bin gespannt, wie und ob sich das Präsidium in Zukunft positioniert. Auf der JHV gab es jedenfalls ordentlich Gegenwind.

Stimmung im Stadion: Der Neubau der Gegengerade schreitet voran. Nach Ende der Winterpause soll die neue Tribüne fertig sein und hoffentlich wirkt sich diese Fertigstellung auch positiv auf die Stimmung und den Support aus. Die Hinrunde war eher mau und leise. Die Lücken zwischen den einzelnen Blöcken viel zu groß und die Bereitschaft während des Spiels mal ein klein wenig Alarm zu machen, eigentlich nur auf im Block auf Höhe der Mittellinie erkennbar. Ansonsten Schweigen. Schon ein wenig schade, wenn man sich die Entwicklung so anschaut. Aber geben wir der Gegengerade etwas Zeit sich zu “aklimatisieren”. Wenn in der Rückrunde alle Plätze belegt sind und ein Großteil der alten Besatzung wieder auf ihre Plätze zurückkehrt, dann wird es auch hoffentlich wieder etwas lauter! Die Tribüne selbst sieht jedenfalls ganz schön mächtig aus.

In diesem Sinne allen Lesern dieses Blogs ´nen paar schöne Weihnachtstage und ´nen guten Rutsch ins neue Jahr. Bleibt zu hoffen, daß sich die Fussballwelt doch wieder etwas positiver gestaltet, als es derzeit der Fall ist!

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