“Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß”.

Ein großer Dank in Richtung Andreas Brehme für dieses tolle Zitat. Passt zu unserer derzeitigen Situation wie die Faust aufs Auge. Knapp 20 Stunden nach Apfiff und einer eher kurzen und unruhigen Nacht, hüllt sich die Stimmung und die Hoffnung auf den so dringend benötigten Befreiungsschlag in einen grauen Schleier aus Frust, Taurigkeit, Resignation, Wut und tatsächlich eine Spur von Angst. Angst davor am Ende der Saison durchgereicht zu werden und im nächsten Jahr am Millerntor Mannschaften wie Wehen Wiesbaden und Wacker Burghausen begrüßen zu dürfen. Noch stehen wir überm Strich, aber die Luft wird von Woche zu Woche dünner und wenn man soviel investiert wie im gestrigen Spiel gegen den 1. FC Köln und nach 90 Minuten wieder einmal ohne eigenes Tor und ohne Punkte dasteht, dann wirds verdammt eng.

Ein Blick auf unsere Offensivbilanz treibt einem die Schweißperlen auf die Stirn.
22 Spiele, 19 Tore (keine Mannschaft in der zweiten Liga hat weniger als 20 Tore erzielt),
in der Rückrunde 1 mickriges Tor, 11x ohne eigenes Tor im Spiel und in der Rückrundentabelle auf dem letzten Platz. Das sind wahrlich gute Aussichten.

Man kann der Mannschaft im gestrigen Spiel eigentlich nicht viel vorwerfen. Im Vergleich zum “Offenbarungseid” in Sandhausen hat die Truppe gestern die richtige Antwort gegeben – nur halt das Tore schießen vergessen. Sie hat alles aus sich rausgeholt, kämpferisch die beste Saisonleistung gezeigt und sogar mit 1 Mann weniger immer noch alles versucht, aber es reicht einfach nicht. Unsere Bemühungen in der Offensive sind so kläglich, unser Spiel so durchschaubar und unsere Standards so ungefährlich. Keiner der Jungs traut sich mal aus der Entfernung auf die Hütte zu knallen – man versucht den Ball tatsächlich mithilfe spielerischer Raffinesse ins Tor zu tragen. Das uns für solche Spielereien allerdings die nötige Qualität fehlt, sollte man inzwischen schon mitbekommen haben.

Und so genügt dem Effzeh ein schlitzohrig getretender Freistoß von Christian Clemens in der 3. Minute, um am Ende des Abends auf Tabellenplatz 5 zu springen und unser Punktekonto weiterhin bei mickrigen 23 Punkten zu belassen. Der Sieg für Köln ist tatsächlich etwas glücklich, aber nicht ganz unverdient. Wenn Ujah, Maierhofer & Co. ihre Konterchancen in der zweiten Halbzeit nicht so kläglich übers Tor geballert hätten, dann hätte man sich auch nicht über eine 0:3 Klatsche wundern dürfen.

Was mich neben all diesen besorgniserregenden Statistiken momentan nicht wirklich optimistisch stimmt, ist die Erkenntnis, daß sich die leichte Anfangseuphorie der ersten Spiele unter Michael Frontzeck inzwischen gänzlich verabschiedet hat. Es bleibt festzuhalten, daß es immer noch kein richtiges spielerisches Konzept gibt. Gleichzeitig scheint er seine Stammformation noch nicht gefunden zu haben. Nach der Pleite in Sandhausen war klar, daß es innerhalb der Mannschaft personelle Veränderungen geben muss, aber warum werden Buchtmann und Avevor geopfert? Ich habe es nicht verstanden.

Buchtmann ist tatsächlich der Einzige in unserem Team, der so etwas wie Spielübersicht versprüht. Und ihn 90 Minuten gegen seine alten Kollegen auf der Bank zu lassen, halte ich für ziemlich daneben. Der muss doch heiß gewesen sein wie Frittenfett. Gleiches gilt für die Entscheidung gegen Avevor und Pro Kalla, der auch gestern im Spiel einen Einsatz von Anfang an nicht wirklich rechtfertigen konnte.

Ein weiterer Ausdruck für die Hilflosigkeit unserer Verantwortlichen zeigt, daß man beim Spiel gestern aufeinmal anfängt die Verantwortung an ältere und erfahrene Spieler weiterzugeben. Florian Bruns durfte wieder ran, gleich von Anfang an und dann auch noch als Kapitän. Ist das der Bruns, der am Ende des Jahres keinen neuen Vertrag mehr bekommt? Junge, junge … ich bin beeindruckt! Klare Linie sieht anders aus. Aber vielleicht steckt hinter dieser ganzen Spielerei auch ein großartiger Plan, den man uns vorenthalten will und den wir bis jetzt einfach noch nicht verstanden haben.

Und was gab es sonst noch so:

Manuel Gräfe: Ich zitiere tatsächlich mal die MOPO von heute morgen.

Und während die Zuschauer sich wenigstens über die Art und Weise amüsieren können, wie Köln seine Chancen vergurkt (Maierhofer, 77.; Lehmann, 90.), bringt ein Mann noch alle auf die Palme. Mit kaum an Arroganz zu überbietender Gestik schmeißt Schiri Gräfe mit Karten gen St. Pauli nur so um sich, stellt als Gipfel auch noch Mohr unberechtigt vom Platz (90.+1), so dass der Kiezklub am Freitag gegen Frankfurt ohne Innenverteidiger dasteht.

Natürlich sollten wir uns in erster Linie an die eigene Nase fassen. Wer in 90 Minuten kaum hochkarätige Torchancen herausspielt und zum wiederholten Male das Tor nicht trifft, der braucht sich nicht zu wundern, wenn man das Spiel nicht gewinnt. Aber was unser lieber Gräfe da gestern abgezocken hat, ist an Arroganz und verkackter Spielleitung nicht mehr zu überbieten. Unruhe in ein Spiel bringen, wo bis dato keine Unruhe vorhanden war. Gelbe Karten bzw. Platzverweise verteilen, die sowas von lächerlich sind. Fangen wir mit Thorandt an. Ich habe tatsächlich die erste Verwarnung nicht mehr wirklich auf dem Schirm. Die zweite gelbe Karte, die dann zwangsläufig zur Herausstellung geführt hat, ist für mich mehr als lächerlich. Thorandt geht in einen stinknormalen Zweikampf, schiebt seinen Gegner mit angelegtem Arm etwas an die Seite, der kommt ins Straucheln und fällt hin. Freistoss kann man geben, aber doch bitte keine gelbe Karte. Wenn man so überzogen gelbe Kartons verteilt, dann kann man jedes zweite Spiel nach 60 Minuten beenden, weil nicht mehr genug Spieler auf dem Platz stehen.

Zweite Aktion: McKenna gegen Bartels. Bestraft man Spieler wg. Ungeschicklichkeit, dann bitte auch in dieser Situation. McKenna spielt keinesfalls den Ball, sondern berührt Bartels im 16er! Verfährt man so wie Hochnase Gräfe, dann gibt es hier auch nur eine richtige Entscheidung. Nämlich Strafstoß und Kärtchen für McKenna.

Gelb/Rot gegen Mohr: Das Sahnehäubchen auf der Portion Unzulänglichkeit schlechthin. Wir schreiben die Nachspielzeit. Mohrs Gegenspieler schleicht sich hinter seinem Rücken in Richtung Ball, den Kopf ganz knapp über der Grasnarbe. Mohr sieht ihn nicht, will an den Ball, zieht sogar noch zurück, trifft ihn wohl eher unabsichtlich, Gräfe pfeifft Foulspiel und wieder Gelb/Rot.

Ganz ehrlich – unser toller Fussballbund braucht sich nicht wundern, wenn einem im Stadion bei solchen Dilettanten in schwarz die Hutschnur reißt. Ich war gestern Abend jedenfalls – ohne einen einzigen Tropfen Alkohol im Blut – so dermaßen auf Zinne, dass ich Gräfe am liebsten in den Arsch getreten hätte. So eine Anreihung von Fehlentscheidungen ist unzumutbar und lässt Emotionen einfach überkochen. Wird Zeit, daß man diese Art von “Unparteiischen” aus dem Verkehr zieht und mal ein paar Spiele Ruhe verordnet – von wegen grob unsportliches Verhalten und so.

Aufmarsch der Ordner: Was war das denn bitteschön kurz nach Spielende? Aufmarsch einer leuchtenden Kampfeinheit vor der Süd? Teils vermummt, teils mit “gut gepolsterten” Handschuhen. Gehts eigentlich noch? Welche Flitzpiepe aus unseren Reihen hat denn dort mal kurzzeitig die Energiezufuhr zum eigenen Gehirn blockiert?
Vor was hat man den Angst? Das eine völlig desillusionierte und ausrastenden Südkurve aufs Spielfeld läuft, um M. Gräfe an die Kehle zu springen? Was für ein Schwachsinn. Gräfe stand schon längst unter der Dusche. Nach so einem aufreibenden und emotionsgeladenen Spiel bekommt man die erhitzten Gemüter, durch eine solch dämliche Aktion, natürlich wieder auf Normaltemperatur.

Schön, wenn man sich oft genug mit der tollen bunten Kurve und den achso supportfreudigen und fanatischen Fans auf der Süd brüstet, um dann im nächsten Atemzug erstmal ´ne komplette Einheit an Securities vorm Block zu positionieren, die mit ihrem grimmigen aber wenig furchteinflösenden Gesichtsausdruck für Zucht & Ordnung sorgen soll.

Diese Herangehensweise erscheint mir genauso zweifelhaft, wie die nicht getätigte Verstärkung für unsere Offensive in der Winterpause.

Kölner Fans: Waren da, aber gehört hab ich sie nicht! 

Weitere Berichte zum gestrigen Abend findet man hier:

Breitseite St. Pauli
Magischer FC
Bilder von Stefan Groenveld

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