Keine Tore gegen den Sandkasten, Refugees Welcome und glückliche Kinderaugen …

tschaunsen

Fotoquelle: (Ostblock Sankt Pauli)

Nachdem überraschenden, aber durchaus verdienten Auswärtssieg bei Greuther Fürth folgte am Freitag Abend im Heimspiel gegen den SV Sandhausen prompt die Ernüchterung. Anstatt sich mit einem Heimsieg in der oberen Tabellenregion festzusetzen und das Offensivspektakel aus der vorherigen Woche fortzusetzen, reichte es gerade mal zu einem wirklich ernüchternden und ziemlich enttäuschenden 0:0.

Obwohl der Gegner aus Baden-Württemberg jetzt nicht unbedingt das fussballerische Aushängeschild ist, war meine Vorfreude auf das Spiel doch ziemlich groß. Freitag Abend ist eigentlich eh immer ´nen Highlight, Aktionstage gegen Homophobie & Sexismus, Lampedusa Protestmarsch und Familienbesuch aus der Heimat.

Bis auf mein Patenkind, wurde die Familie komplett auf der GG untergebracht. Den “Kleinen” gleich mal wiederholt mit auf die Süd genommen, damit er die richtigen “Umgangsformen” im Stadion mitbekommt. Wie er schon vor ein paar Wochen selbst bemerkte und meinte: “Wenn ich mit Malte nicht zusammen im Stadion stehen kann, dann habe ich keinen Bock auf Fussball!” Klare Ansage, genauso muss es sein. Gerne hätte ich ihm ´nen Tor inkl. Torjubel gegönnt, aber sein persönliches Highlight sollte eh nachdem Spiel folgen (mehr dazu weiter unten im Text).

Zum Spiel selbst braucht man eigentlich gar nicht soviel schreiben. Das war leider nix. Die kompletten 90 Minuten plätscherten so dahin gegen einen Gegner, der irgendwie gar kein Fussball spielen wollte und eigentlich nur darauf aus war, hinten absolut dicht zu machen. Gab es überhaupt irgendwelche Offensivaktionen in den 90 Minuten von Sandhausen? Aber bevor ich anfange den Gegner hier schlecht zu reden, sollte man besser vor die eigene Türe schauen.

Dort lässt sich leider feststellen, dass wir in dieser Saison kein wirkliches spielerisches Mittel gegen Mannschaften finden, die sich hinten reinstellen, erstmal verteidigen und irgendwie darauf hoffen, aus dem Nichts heraus doch ´nen Tor hier erzielen zu können.

Das war gegen Bielefeld und Paderborn auch schon, nur mit dem Unterschied das diese beiden Mannschaft tatsächlich getroffen haben und die 3 Punkte mitnehmen konnten. Wenn man sich mal unsere Heimspiele in dieser Saison anschaut, dann sieht die Punktausbeute ja erstmal gar nicht so schlecht aus. In 7 Spielen gab es 11 Punkte. Klar, könnte mehr sein, aber eigentlich ok. Wenn man sich dann allerdings die bisherigen Leistungen am Millerntor anschaut, dann stimmt einen das doch etwas nachdenklich. Denn diese waren bisher alle eigentlich eher enttäuschend.

Auf den Rängen am Millerntor war am Freitag Abend ordentlich was los. Zum Aktionstag gegen Homophobie & Sexismus ein buntes Stadion mit vielen Bannern, Tapeten, Luftballons und einem wirklich tollen Spruchband der Mannschaft (Wie kann man nur Hassen, wenn Menschen sich Lieben). Respekt!

In der Halbzeit gab es dann Proteste gegen die widerliche Flüchtlingspolitik von Scholz & Neumann. Auch wir haben uns optisch an diesen Protesten beteiligt, mussten aber leider feststellen, dass es in unmittelbarer Nähe unseres Platzes auf der Süd Menschen gibt, die sich mit dieser Art des Protests NICHT anfreuden können. Ein kollektives Wegdrehen, Rummeckern und dumme Sprüche rauskloppen, wenn man die Herrschaften freundlich bittet doch mal ´nen Banner oder ´ne Tapete hochzuhalten, scheint dort gang und gäbe zu sein. Eine sehr enttäuschende Einstellung, wie ich persönlich finde …

Dennoch ist es schön zu sehen, wie geschlossen soviele Menschen zusammenstehen, protestieren und ihren Unmut gegenüber dem Verhalten von Innensenator Neumann und Bürgermeister Scholz in Hamburg äußern. Knapp 10.000 Menschen auf der friedlichen Demo nachdem Spiel, sprechen eine deutliche Sprache und zeigen was möglich ist.

Neben all diesen tollen Erlebnissen an diesem Tage, sollte das persönliche Highlight allerdings nachdem Spiel folgen. Der Wunsch meines Neffen nachdem Original-Trikot von Tschauner, wofür er glatt “seine Mudda” hergegeben hätte. Die Woche über wurde das Banner gepinselt, immer mit der bangen Frage im Hinterkopf, was denn wohl wäre, wenn er sie tatsächlich “opfern” müsste. Erste Zweifel am Wortlaut kamen auf und es wurden einige Alternativen erarbeitet, die aber keineswegs punkten konnten. Trotz aller Sorgen, konnte ich ihn dazu bewegen bei seinem ursprünglichen Vorhaben zu bleiben (immerhin hats in ähnlicher Weise mal zwischen mir & Señor Raúl “gefunkt”) und das Banner nachdem Spiel am Zaun zu platzieren. Mit großem Erfolg!

Tschauner kam tatsächlich Richtung Südkurve, erkundigte sich kurz nach seiner “Mudda” und drückte ihm sein Trikot in die Hand. Ich persönlich habe lange Zeit nicht mehr so glückliche Kinderaugen gesehen und möchte mich an dieser Stelle auch nochmal ganz herzlich dafür bei Philipp Tschauner bedanken. Diese Aktion war ganz groß und das Trikot wird definitiv den absoluten Ehrenplatz im Kinderzimmer bekommen. Das wir es nachdem Spiel am Spielerausgang noch persönlich signieren lassen konnten und es ein Erinnerungsfoto mit Tschauner gab, konnte an diesem Abend von rein gar nix mehr getoppt werden. Mehr geht einfach nicht! Danke!

Weitere Berichte zum Spiel, Bilder & Co. gibt es hier:

Ostblock Sankt Pauli – Sandhausen zu Hause
Übersteiger-Blog
Breitseite St. Pauli – Was bleibt ist eine große Demo und ein herzliches Dankeschön
Fotos und Bericht von Stefan Groenveld
Magischer FC – Das war viel
Blocknachbarn Sankt Pauli – Welcome Refugees

 

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3 Antworten auf Keine Tore gegen den Sandkasten, Refugees Welcome und glückliche Kinderaugen …

  1. Pingback: Verein am Wochenende (43/2013) inkl. SV Sandhausen | Übersteiger-Blog

  2. Pingback: #FCSP setzt ein Zeichen gegen Homophobie, Sexismus und Rassismus – Soli-Demo für #LampedusaHH – Oh, und Sandhausen war auch noch da. | KleinerTods FC St. Pauli Blog

  3. Herr Heftich sagt:

    Schöne Geschichte, vor allem nach dem Ding mit Raúl vor einiger Zeit am Millerntor!
    Daumen hoch!

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