Ick hab´ doch nur ´nen Feuerchen gemacht!

Absolute Premiere: Zum ersten Mal schreibe ich einen Artikel zu einem Fussballspiel, was ich gar nicht live, sondern gestern Abend im TV verfolgt habe. Relegations-Rückspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Tante Hertha aus Berlin. Für den neutralen Beobachter ein spannendes, interessantes und ungewollt langes Spiel. Für die Medien, Beckmann & Scholl eine neue, besorgniserregende und noch nie da gewesene Welle der Gewalt in deutschen Stadien. Sorry Jungs, aber ich kann diese Panikmache einfach nicht mehr hören …

Die Zündelei im Hertha-Block war in der Tat alles andere als kontrolliertes Abbrennen von Pyrotechnik. Das Werfen auf den Platz, unterlegt von irgendwelchen Böllern defintiv keine Heldentat, aber muss man daraus wieder so einen Affen machen. Da haben die SOGENANNTEN Fans ja wieder tolle Arbeit geleistet. Unseren Saubermann-Sport ordentlich durch den Dreck gezogen und dafür gesorgt das Fussballer unter Todesangst zurück aufs Spielfeld mussten.  Wenn ich mir so die Punktausbeute der Hertha in dieser Saison angucke und das lahmende Auftreten der Mannschaft in den Relegationsspielen, dann hätte ich als Spieler auch Todesangst, allerdings nur beim Blick auf die Tabelle. Im Fortuna-Block sahen die Bungalows, eh Bengalos, übrigens sehr cool aus. Hatte was von Aufstiegsatmosphäre. Scholl und Beckmann hingegen sprachen von einem gemeinsamen Ding der SOGENANNTEN Fans von Berlin und Düsseldorf – kommuniziert über soziale Netzwerke! Frei nachdem Motto: “In den Farben getrennt, in der Sache vereint.”

Ich stelle mir gerade vor, wie das Streetfighter-Kollektiv Wannsee pünktlich zum Rückspiel über Facebook ´ne neue Veranstaltung erstellt hat. Das Ganze natürlich nicht öffentlich und nur an geladene Gäste. Thema der Veranstaltung: “Rudelzündelei an der längsten Theke der Welt!”.
Einfach als geladener Gast den “Ich nehme teil” Button klicken und schon ist man ganz vorne mit dabei. Beginn dieser Veranstaltung stand bekanntermaßen auch fest. Zusätzlich der Hinweis doch bitte – neben den Fackeln – noch Bier & gute Laune mitzubringen. Und da es sich alleine schlecht feiern lässt, hat man einen Teil der Gegenseite aus Düsseldorf gleich dazugeholt und ebenfalls kräftig Einladungen verteilt.

Sorry Beckmann & Co., aber ihr habt den letzten Schuss nicht gehört! Von Beckmann erwarte ich eh nicht viel, aber das sich ein Mehmet Scholl ebenfalls zu solch blödsinnigen Aussagen bzw. Vermutungen hinreißen lässt, daß hätte ich beim besten Willen nicht gedacht. Aber der Junge scheint ja gerade erst am Anfang seiner Karriere zu stehen, denn über die Problemlösung von Gewalt im Stadion hat er sich – lt. eigener Aussage – bis dato überhaupt keine Gedanken gemacht.

Der Platzsturm kurz vor Beendigung des Spiels ist allerdings nochmal eine andere Sache – zumindest aus sportlicher Sicht. Wobei sich dieses Wort Platzsturm auch schon wieder dermaßen dramatisch anhört. Man müsste glatt vermuten das tausende von hasserfüllten Gestalten beim Betreten des Rasens nichts anderes im Sinn hatten, als den Spielern und Fans von Berlin an den Kragen zu wollen. Da haben sich einfach 99,9% der Leute überschwänglich über die Rückkehr ins Fussballoberhaus der Fortuna gefreut, ohne dabei bestimmt auch nur 1 Sekunde lang ´nen Gedanken daran verschwendet zu haben, Preetz & Co. in den Allerwertesten zu treten. Solche Situationen haben wir jedes Jahr in den Stadien – egal ob Meisterfeier oder Aufstieg! Aber Freude und Ausgelassenheit im Fussballstadion sind ja auch immer ein Indiz für Chaotentum und hohes Maß an Gewaltbereitschaft. Dumm allerdings, dass all diese Feierlichkeiten schon während der regulären Nachspielzeit stattgefunden haben.

Und hier bin ich mal gespannt, wie unsere Herrschaften vom DFB verfahren. Es mag jetzt ja reine Spekulation sein, ob die Hertha noch den Siegtreffer mit 10 Mann erzielt hätte oder nicht. Aber man hat es schon oft genug im Fussball erlebt, daß so ein Anschlusstor für zusätzliche Kräfte auf der einen und schwere Beine auf der anderen Seite gesorgt hat. Ein gutes Beispiel dafür, gab es erst am Wochenende im Spiel zwischen Manchester City und den Queens Park Rangers zu sehen. 2 Tore in der Nachspielzeit verhalfen Man. City zum Titelgewinn. Nun gut, Hertha BSC ist jetzt nicht Manchester City, aber dennoch würde ich hier auch von Wettbewerbsverzerrung sprechen. Du wirst als Spieler ´ne halbe Stunde lang voll aus dem Tritt geholt und sollst dann für knappe 2 Minuten nochmal zurück aufs Feld. Mmh, ich weiß ja nicht … ich finde schon, dass es sich hierbei um eine Benachteiligung handelt, die letztendlich auch Auswirkungen auf das Ergebnis haben kann. Logische Konsequenz müsste eigentlich ein Wiederholungsspiel sein.

Aber beim Festlegen der Strafe und Klärung des Sachverhalts vertraue ich mal voll und ganz den alten Herrschaften in Frankfurt. Deren Drang nach Gerechtigkeit und das richtige Gespür für das passende Strafmaß werden schon dafür sorgen, dass hier keiner der beiden Mannschaften mit ´nem blauen Auge davon kommt!

Ich halte es nun wie Beckmann und muss mich erstmal von diesem Schock, der sich gestern Abend in der Esprit-Arena ereignet hat, erholen …

Empfehlenswert vielleicht noch dieser Bericht hier:
http://www.publikative.org/2012/05/16/hurra-wir-leben-noch/

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>