JUVE, STORIA DI UN GRANDE AMORE | CL, Juventus Turin – Celtic Glasgow, 06.03.2013

Genauso sieht es aus! Die Überschrift ist Programm und das Stadionlied der “Vecchia Signora” seit letzter Woche Mittwoch der ultimative Ohrwurm für meinen Gehörgang. Ein grandioser Mix aus Eros Ramazotti und De Höhner – Mitsingen und Schunkeln garantiert. Wer es noch nicht kennt, der kann sich am Ende des Berichts gerne das Video anschauen. Beschwert euch hinterher aber nicht – ich habe euch gewarnt!

Aber kommen wir zum eigentlichen Thema dieses Berichts. Endlich wieder Europapokal! CL-Achtelfinale zwischen Juventus Turin und Celtic Glasgow. Nach 2003 (UEFA-Pokal, VfB Stuttgart – Celtic Glasgow) und 2004 (CL, AC Mailand-Celtic Glasgow) mein drittes Spiel der Bhoys auf europäischer Bühne. Kurz nach der Auslosung war relativ klar, daß wir mit einer größeren Gruppe (bestehend aus Mitgliedern der Breitseite und Blocknachbarn Sankt Pauli) Richtung Norditalien reisen würden. Das Los Juventus Turin stieß auf allgemeine Begeisterung und dank sämtlicher Billigfluglinien, die so ihre Runden über den europäischen Luftraum drehen, sollte die An-und Abreise nach Italien auch nicht unbedingt das komplette Urlaubsbudget des Jahres 2013 sprengen.

Letztendlich fiel die Entscheidung auf einen Flug mit Ryanair vom Flughafen Lübeck nach Mailand-Bergamo. Und von dort aus mit dem Mietwagen die restlichen 180 km bis nach Turin. Die passende Unterkunft wurde auch relativ schnell gefunden – Bed & Breakfast im Zentrum von Turin für gerade mal 27 Euro pro Übernachtung. Unser Schlafdomizil möchte ich an dieser Stelle auch gerne weiterempfehlen. Solltet ihr mal vorhaben ´nen paar Tage in Turin zu bleiben, dann auf jeden Fall bei B&B Piazzetta Consolata einchecken.

Nachdem An-und Abreise bzw. Sicherung des Schlafplatzes für 2 Tage relativ schnell eingetütet wurden, kam die wohl größte Herausforderung! Thema Eintrittskarten. Ich selbst kenne zwar einige Leute, die mit Celtic relativ häufig unterwegs sind, aber über diese Herrschaften an Tickets für das Spiel in Turin zu kommen, schien eher unmöglich. Erstens war die Nachfrage nach Eintrittskarten für dieses Spiel in Glasgow enorm und zweitens wollten die Jungs selbst auch zum Spiel. Nachdem alle anderen Bemühungen (Juve-Fans aus gemeinsamen Schulzeiten, ital. Mutter meiner ehemaligen Mitbewohnerin, St. Pauli-Forum, etc.) ebenfalls erfolglos blieben, mussten wir also auf den freien Verkauf von Juve direkt hoffen. Bis 2011 wäre es wohl überhaupt kein Problem gewesen, Karten für Spiele von Juve zu bekommen. Das damalige Stadion delle Alpi war selten voll und demnach hätte man wahrscheinlich ´nen kompletten Block für sich haben können. Aber mit dem Neubau des Juventus Stadiums hat die Nachfrage enorm angezogen und bei 41.000 verfügbaren Plätzen liegt der Zuschauerdurchschnitt nur ganz knapp darunter. Unsere Hoffnung, daß durch den 3:0 Hinspiel-Erfolg der alten Dame im Celtic Park die Nachfrage für das Rückspiel weniger groß sein sollte, bewahrheitete sich tatsächlich. Zumindest gab es Tickets im freien Verkauf und mit viel Geduld, frühzeitigem Einloggen ins Ticketportal (listicket.it) und einer gültigen Kreditkarte, konnte ich 2 Tickets für knapp 50 Euro pro Stück in unmittelbarer Nähe des Gästeblocks (Tribuna Nord 2´Anello, Settore 209) ergattern. Der andere Teil der Reisegruppe war ebenfalls erfolgreich, musste allerdings etwas mehr Geld berappen und notgedrungen zwischen den Anhängern von Juventus Turin Platz nehmen.

Am Dienstagmorgen machte sich unsere Gruppe also auf den Weg zum Flughafen nach
Lübeck. Im Check-in-Bereich wurde deutlich, daß wir nicht die Einzigen aus dem “Dunstkreis” des FC St. Pauli waren, die als Ziel Turin und das Spiel gegen Celtic Glasgow anpeilten. Das ein oder andere bekannte Gesichte wartete ebenfalls geduldig auf den Abflug Richtung Bergamo. Der Flug verlief ohne weitere Zwischenfälle und so kamen wir pünktlich am frühen Nachmittag in Bergamo an. Mietwagen abgeholt und auf ins Abenteuer Turin.

Da einer unserer Mitfahrer kurzfristig nur 1/2 Tag Urlaub bekam und zu einem späteren Zeitpunkt alleine von Berlin Richtung Mailand-Malpensa fliegen musste, hatten wir in Bergamo noch ein wenig Zeit und diese musste sinnvoll genutzt werden. Also, ab zum Stadio Atleti Azzurri d’Italia von Atalanta Bergamo. Ich muss sagen: Großartiges Stadion. Oldschool, unmodern und richtig heruntergekommen. Weit entfernt von diesem ganzen Multifunktionsarenen-Einheitsbrei. Schön, daß man solche Dinger noch zu sehen bekommt. Nachdem wir das Stadion von außen ausgiebig begutachten konnten, ließen uns zwei ältere Herrschaften noch ins Stadion hinein und ein paar Fotos machen. Wie gesagt – sehr schönes Ding! Magt man diversen Berichten im Internet allerdings Glauben schenken, dann wird dieses Stadion wohl auch nicht mehr allzu lange existieren. Angeblich ist eine neue Multifunktionsarena für Bergamo in Planung.

Anschließend ging es zum Flughafen Mailand-Malpensa, den letzten Mitfahrer einkassieren und weiter Richtung Turin. Wir erreichten Turin erst relativ spät am Abend, dennoch machten wir uns gegen kurz vor Mitternacht auf den Weg um noch den ein oder anderen Pub aufzusuchen. Bereits in der Nacht kündigte sich an, was uns die nächsten 36 Stunden ununterbrochen begleiten sollte – strömender Regen! Da das Shamrock Inn bereits geschlossen war, kehrten wir in einen anderen Irish Pub (leider ist mir der Name nicht mehr präsent) ein. Das Erscheinungsbild im Inneren der Lokalität zeigte uns, daß hier schon stundenlang ordentlich auf den Putz gehauen wurde. Beide Toiletten waren bereits wg. Überflutung geschlossen und auch der Billardtisch sah aus wie ´nen Plantschbecken. Nicht das ich neidisch auf diese Trinkfestigkeit der Jungs von der Insel bin, aber ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie unfassbar viele Pinte in die Magengegend dieser Leute passen. Schon auf dem Weg zur Kneipe kamen uns drei Männer (Alterklasse: Mein Vater, kurz vor der 60ig) entgegen, die sich gegenseitig stützen mussten. Aber nicht einfach so Arm in Arm – das Ganze sah eher so aus, als wenn einer die Route vorgibt und die anderen im Rahmen ihrer übriggebliebenen Kräfte blind folgen. Einer dieser drei Herrschaften fiel um wie ´ne Bahnschranke und konnte nur mit unserer Hilfe seinen wackeligen Gang fortsetzen.

Im Pub selbst hätte ich meinen guten alten “United we stand”- Hoodie und Blocknachbarn Sankt Pauli-Schal meistbietend verkaufen können. Ich denke, den Aufenthalt in Turin hätte ich locker rausgehabt! Letztendlich hab ich meinen Schal verschenkt und damit auf die nächsten Jahre meine Aufenthalte in Glasgow inkl. Freikarten und Freibier gesichert. Mit dem ein oder anderen getankten Guinness wurden auch die Dialoge mit den anwesenden Celtic-Fans immer schwieriger. Schon im nüchternen Zustand muss man ganz genau hinhören, um die Jungs zu verstehen, aber wenn man in leichter Bierlaune ist, dann wird das Zuhören zu einer absoluten Mammutaufgabe. Oder weiß jemand von euch, welcher deutsche Profiverein mit “Grita Fifth” gemeint ist?

Am Spieltag selbst, war bei dem unglaublichen Dauerregen nicht wirklich an Sightseeing zu denken. Der Spaziergang von unserer Unterkunft zum Shamrock Inn Pub musste ausreichen, um sich einen ersten Eindruck von Turin zu verschaffen! Und ganz ehrlich – ich war positiv überrascht! Diese Stadt scheint tatsächlich ganz ansprechend zu sein. Vielleicht sollte man im Sommer nochmal zurückkehren, wenn die Sonne scheint. Dank des Wetters haben wir tatsächlich die meiste Zeit im Pub verbracht und das war auch gut so! Gegen 18.30 Uhr machten wir uns ziemlich orientierungslos auf den Weg Richtung Stadion. Fahren wir mit den angekündigten Shuttlebussen zum Stadion oder nehmen wir doch lieber die Straßenbahn? So richtig Bescheid wußte niemand und letztlich folgten wir, wie ein Haufen Lemminge einer anderen Gruppe Celtic-Fans, die auf den ersten Blick genauso wenig Ahnung hatten wie wir. Aber es ging alles gut – ein sehr lustige, sangesfreudige Bahnfahrt mit allen Rebel Songs und Stadionliedern, die Celtic so zu bieten hat.

Nach guten 45 Minuten Fahrzeit erreichten wir dann auch endlich das Juventus Stadium. Eine dieser austauschbaren Multifunktionsarenen, die rein optisch allerdings punkten kann. Der Versuch mit unseren Karten für den Heimbereich in den Gästeblock zu kommen, scheiterte an unserer Ungeduld. Knapp 40 Minuten im Regen anstehen, um sich ganze 2 Meter nach vorne zu bewegen, waren uns dann doch too much! Abgesehen davon, waren es zu diesem Zeitpunkt nur noch gute 15 Minuten bis zum Anpfiff und diesen wollten wir eigentlich pünktlich miterleben. Also, rüber zum anderen Eingang (hier lief der Einlass mehr als entspannt und fix) und ab ins Stadion. Im Oberrang ankommen, stellten wir fest das man sich völlig frei bewegen konnte und vom Sicherheitspersonal nicht daran gehindert wurde, zwischen den Blöcken hin- und herzulaufen! Diese Chance nutzen wir und stellten uns quasi direkt neben den Gästeblock.

Vorm Spiel hüllten die Zuschauer das komplette Stadion in schwarz-weiß! Der Oberrang im Heimbereich wurde mit einer riesigen Juventus-Blockfahne geschmückt, der Unterrang komplett in die Landesfarben der Italiener getaucht! Und dann lief dieses besagte Lied, was bis heute nicht aus meinen Ohren verschwunden ist – JUVE, STORIA DI UN GRANDE AMORE!

Der Übersteiger war ebenfalls vor Ort und berichtet über die Geschehnisse rundum das Champions League Spiel. Ich habe einfach mal das verlinkte Video “geklaut”. Die bewegten Bilder zeigen die Choreo und selbstverständlich hört man ab 0:45 Sek. auch das Stadionlied.

Aus sportlicher Sicht war die Begegnung eigentlich schon nachdem 3:0 Hinspielerfolg von Juventus im Celtic Park durch. Nur ein großes Fussballwunder hätte hier helfen können, aber dieses blieb – oh Wunder – aus. Celtic war zwar bemüht, spielte sich in der Anfangsphase 1-2 sehr gute Torchancen heraus, aber spätestens mit dem 1:0 Führungstreffer von Matri in der 24. Minute war das Ding endgültig gegessen.  In der zweiten Halbzeit beschränkte sich die Celts auf einen 45-minütigen Dauergesang. Irgendjemand stimmte “Here we go – ten in a row“ an und dieses wurde dann bis zum Schlusspfiff durchgesungen.

Dieser unermüdliche Gesang sorgte dafür, dass sich die Hälfte des Stadions von seinen Plätzen erhob und Applaus für diese Art der Unterstützung in Richtung Celtic-Block spendete. Habe ich bis dato auch noch nirgendwo im Stadion erlebt und sorgte – zumindest bei mir – für eine ordentliche Portion Gänsehaut. Anschließend kamen viele Fans von Juventus Turin zum Gästeblock und versuchten Schals & Trikots zu tauschen! Das Ganze nahm tatsächlich freundschaftliche Verhältnisse an und sah ungefähr so aus:

Natürlich weiß man nicht, ob solche Szenarien auch möglich gewesen wären, wenn es hier sportlich noch um einiges gegangen wäre und Celtic tatsächlich die Runde der letzten acht Mannschaften erreicht hätte. Aber abgesehen davon, fand ich es mehr als bemerkenswert, wie freundlich und respektvoll man miteinander umgegangen ist! Das gilt übrigens auch für die Sicherheitsleute, die sich das ganze Spiel über an der Plexiglasscheibe zum Gästeblock positionieren. Kein provozierendes Verhalten und ständig um das Wohlbefinden der Zuschauer bemüht. Man darf einfach nicht vergessen, dass es hier immer noch um Sport geht und 40. 000 Leute ins Stadion gehen, weil sie ein und dieselbe Leidenschaft haben. Mich hat dieses Auftreten auf jeden Fall mehr als beeindruckt.

Nachdem Spiel machten wir uns relativ schnell auf den Heimweg. Dank gut organisiertem Busshuttle lief der Abtransport vom Stadion Richtung City auch einwandfrei. Ein Großteil unserer Gruppe entschloss sich dazu, die restlichen Stunden bis zur Abfahrt Richtung Flughafen am Donnerstagmorgen einfach durchzumachen und noch einige Bierchen im Shamrock Inn Pub zu genießen. Ich zog es vor das warme Pensionszimmer aufzusuchen – wohl wissend, daß mich Oasis keine 4 Stunden später mit “Don´t Look Back in Anger” aus dem Tiefschlaf holen würde, um einigermaßen erholt und ausgeschlafen den Mietwagen Richtung Flughafen zu steuern. Hierbei sei erwähnt – solltet ihr irgendwann einmal während der Rush Hour zwischen Turin und Mailand pendeln, dann plant bitte genug Zeit ein. Dank Mautstationen herrschen hier Verhältnisse wie auf der A7 vorm Elbtunnel zur allerbesten Reisezeit.

Um kurz nach 10 Uhr ging der Flieger dann wieder zurück Richtung Lübeck und eine unvergessliche Europapokal-Tour neigte sich dem Ende entgegen! Eins steht jedenfalls fest – ich werde auf keinen Fall weitere 8 Jahre warten um mir wieder ein Spiel von Celtic im europäischen Wettbewerb anzuschauen! Gerne nächstes Jahr wieder und dann hoffentlich mit ein wenig Sonnenschein und ausgelassenem Torjubel …

Hier gibt´s noch ein paar Bilder vom Trip nach Turin:

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