“Beziehungsstatus”: Es ist kompliziert …

Eine Bekannte hat es vor einigen Tagen vielleicht ganz gut beschrieben “Liebeskummer mit meinem Verein”. So weit möchte ich nicht unbedingt gehen und von Liebeskummer sprechen, aber das derzeitige Geschehen um den FC St. Pauli nimmt mal wieder unheimlich anstrengende Formen an. In den sozialen Netzwerken würde man diesen Beziehungsstatus wohl als “Es ist kompliziert” bezeichnen.

Ich habe ´nen bißchen gebraucht um alles zu sammeln, was so in den letzten Tagen passiert ist! Viele Infos aus dem Netz “gesaugt”, Blogs gelesen und auch das ein oder andere Gespräch über die derzeitige Lage und die Geschehnisse außerhalb des Platzes geführt. Und je länger ich darüber nachdenke, desto größer wird mein Gefühl, daß einfach momentan so gar nichts stimmt in unserem Umfeld! Jeder meldet sich zu Wort, fühlt sich ungerecht behandelt und hat mehr zu sagen als der andere. Grabenkämpfe werden ausgetragen und es wir über alles gesprochen – nur nicht darüber, daß wir sportlich gesehen immer noch leicht an der Tür zur Fussball Bundesliga klopfen. Gut, wie schon oft erwähnt – Aufsteigen will ich eh nicht, aber so ´nen Relegationsspiel reizt mich dann doch …

Der eintägige “Bürgerkrieg” gegen Hansa Rostock und die Polizei im Gefahrengebiet St. Pauli ist jetzt ´ne knappe Woche vorbei. Viel Aufwand und Aufregung für ein Fussballspiel. Das musste wohl jeder erkennen, der dem FC St. Pauli nicht ganz so sehr verbunden ist. Der Protest vorm Stadion war mehr als notwendig, allerdings hätte ich doch auf mehr Solidarität aus unserer Fanszene gehofft! Etwas mehr als 1.000 Leute bei knapp 25.000 Zuschauern, die alle zwei Wochen ans Millerntor “pilgern”, finde ich mehr als dürftig! Diese Einstellung zeigt mir, dass es vielen Leuten in unserem Umfeld wohl doch relativ wurscht ist, was mit König Fussball und seiner Fankultur in naher Zukunft passiert. Hauptsache der Ball rollt auf dem Rasen, das Bier läuft aus dem Hahn und wir bekommen 90 Minuten lang ein heiteres Spielchen und ein bißchen “Pauli-Paadie” geboten. Ob nun der Verein oder wie in diesem Fall die Polizei bestimmt, wer an diesem Vergnügen teilnehmen darf oder nicht, scheint völlig egal zu sein! 70 Minuten lang habe ich selber vorm AFM-Container auf dem SKVP gestanden und mir das Spiel gegen Rostock über die Lautsprecher kommentieren lassen – bin dann aber die letzten 20 Minuten doch ins Stadion gegangen, weil ich gucken wollte, ob es wirklich so anders ist, wenn ein Teil der aktiven Fanszene draußen bleibt! Also, den gewohnten Platz auf der Süd aufgesucht und das ganze Geschehen im Stadion gewürdigt. Tja, was soll ich sagen – die Südkurve war bestens gefühlt! Das ein nicht unerheblicher Teil diesem Spiel fern geblieben ist, war auf den ersten Blick erstmal gar nicht zu bemerken! Viele bekannte Gesichter, von denen man eigentlich erwartet hat, dass Ihnen so ein Protest am Arsch vorbeigeht, waren im gewohnten Umfeld zu erkennen. Diese Leute waren in so einer hervorragenden Bierlaune, dass ein einfaches “Ganz Hamburg hasst die Polizei” gereicht hat um Leute aus meiner Bezugsgruppe mit Bierbechern zu bewerfen und Schläge anzudrohen! Immer wieder nett, wenn man seit über 2 Jahren quasi ´ne Nachbarschaft im Block gepflegt, aber in solchen Momenten merkt, wie weit das Verständis für Fussball, Fankultur und Repressionen auseinander geht!

Stimmungsmäßig war es im Stadion nicht ganz so ruhig, wie ich es erwartet habe! Ein paar zaghafte Anfeuerungsrufe und alte Klassiker wie “Auf der Reeperbahn nachts um halb eins …” waren zu hören. Diese Klassiker vermisse ich in der Tat und es war schön, diese mal wieder zu hören! Ich persönlich ziehe den spielbezogenen Support dem Dauer-Lalala vor, aber rein optisch gesehen glich die Südkurve an diesem Sonntag einem unbedeutenen schwarz-weißen Fleck, der große Langeweile und Tristesse hervorrief! Wer sich sowas auf Dauer wünscht bzw. kein Problem damit hat, wenn die “ULTRAS” oder ein Teil der aktiven Fanszene draußen bleibt, der tut mir einfach nur leid! Sollte sowas in den nächsten Jahren das Verständnis von einem Leben als Fussballfan sein, dann werde ich in kein Stadion mehr gehen und mir ´nen entspannteres Hobby suchen. Die Jungs der 1. Handball-Mannschaft des FC St. Pauli haben in den letzten Wochen meine Leidenschaft geweckt und das wäre definitiv ´ne Alternative. Dort ist alles noch so unbehaftet und entspannt und rumpöbeln kann man dort auch bestens. ;)

Die Geschehnisse nachdem Spiel vorm Jolly Roger möchte ich mal unkommentiert lassen. Ich habe die Aktion nicht mitbekommen und weiß nicht, wer wie und wo angefangen hat und deshalb möchte ich mich dazu auch nicht äußern. Augenzeugenberichte und Videos im Netz lassen einiges vermuten, aber ich bin besser ruhig! Nur soviel dazu – ich habe die Strategie der Polizei und die ganze Aufregung vor diesem Spiel schon nicht verstanden und das so ein Einsatz auch irgendwann im Laufe des Tages Früchte tragen muss, dürfte jedem klar sein! Kann ja nicht sein, dass die ganzen Steuergelder verschleudert werden und die behelmten Damen und Herren gar nichts dafür tun müssen. Wie so ein Vorgehen aussieht, durfte man dann hautnah nachdem Spiel vorm Fanladen sehen! Völlig grundlos und aus heiterem Himmel gesellten sich 30-40 uniformierte Beamte vorn den Fanladen und trennten die beiden Straßenseiten. Fein säuberlich aneinandergereiht und den Knüppel im Anschlag! Wie Deeskalation in der Polizeisprache aussieht, durfte man durch eindeutige Handbewegungen der Beamten in Richtung der dort anwesenden Fussballfans erkennen. Ein schönes Auffordern: “Kommt doch her, wenn ihr was wollt!” Erbärmlich sowas …

Ich bin definitiv kein Mensch, der sich solchen Aussagen wie “Ganz Hamburg hasst die Polizei” verbunden fühlt, aber so ein Auftreten geht mir derbe auf den Piss! In solchen Momenten kommt dann immer noch der kleine naive Dorfjunge (mit Mitte 30ig) durch, der an das Gute im Menschen (und der Polizei) glaubt! Nur findet diese Naivität in Großstädten wohl keinen Platz! Um mein “Weltbild” der Polizei nicht komplett verzerren zu lassen, bleibe ich bei dem netten alten Schutzmann mit grauem Bart und rauher Stimme, der uns früher in der Schule die Verkehrsregeln beigebracht und meinen Gepackträger festgehalten hat, als ich bei orange über die Ampel fahren wollte! Solchen Spinnern, die vorm Fanladen aufgetreten sind, gehört eigentlich nur der stramme Mittelfinger gezeigt.

Der stramme Mittelfinger gehört auch den Leuten, die sich vor, während und nachdem Spiel im Viertel rumtreiben und nach Konfrontationen suchen! Ganz egal, ob mit gegnerischen Fans oder wie an diesem Sonntag die Polizei. Mit solchen Aktionen wird der Fanszene ein Bärendienst erwiesen. Dazu gehört auch dieser völlig unmotivierte und dämliche Angriff auf die Tankestelle am Hamburger Berg! Ganz großes Tennis eine nicht besetzte und geschlossene Kneipe anzugreifen! Trefft euch irgendwo im Niendorfer Gehege oder in der Lüneburger Heide, aber benutzt für euer Pimmelfechten nicht unseren Sport.

Im Laufe der Woche sorgte dann unser Verein mal wieder für etwas “Aufheiterung”. Eine akzeptierte Geldstrafe in Höhe von 15.000 Euro für das “Vergehen” beim Schweinske-Cup und einem Freak mit Bullenschweine-Schal auf der Choreo beim Braunschweig Spiel – derbe diskriminierend und unsportlich sowas! Sagen wir es mal so – ich versuche die Verantwortlichen im Verein ein stückweit zu verstehen! Seit Beginn der Rückrunde wird das sportliche Auftreten unseren Mannschaft eigentlich Woche für Woche durch irgendwelche gerichtlichen Verhandlungen, Anhörungen beim DFB etc. in den Hintergrund gestellt! Gut, teilweise vielleicht auch nicht verkehrt, denn so ´ne Gerichtsverhandlung ist spannender als manch sportlicher Auftritt gegen Cottbus & Co., aber das nur so am Rande! Irgendwann würde mir als Verantwortlicher auch die Hutschnur reißen und ich würde mich gerne mal mit anderen Dingen beschäftigen. Gibt es in unserer Rechtsabteilung eigentlich inzwischen eine eigene Unit, die sich ausschließlich mit dem Kunden “Deutscher Fussball-Bund” beschäftigt? Das Geld, was dem Verein bisher durch Strafen durch die Lappen gegangen ist, hätte uns zur neuen Saison bestimmt schon ´nen halben Knipser fürs Sturmzentrum gebracht.

Nur der gewählte Weg von Orth & Co., vor allem die Strafe für die Geschehnisse beim Schweinske-Cup und ein damit verbundenes “Schuldeingeständnis” zu akzeptieren, ist nicht in Ordnung! Hat der Verein in seiner Stellungnahme kurz nachdem Turnier seinen Fans volle Rückendeckung gegeben, so tritt er jetzt nach. Eine sehr enttäuschende Entwicklung. Eine Ansage (u.a. auch in der Stellungnahme), dass man die Strafe aufgrund der ganzen Geschehnisse in den letzten Wochen und des lieben Friedens willen erstmal zähneknirschend akzeptiert, aber nach wie vor an einer lückenlosen Aufklärung der Auseinandersetzungen in der Alsterdorfer Sporthalle arbeitet und die Ergebnisse der unabhängigen Untersuchungskommission abwartet, wäre wohl die bessere Alternative gewesen. Hinzukommt noch, dass es bis dato für ähnliche Vorfälle bei Hallenturnieren von Seiten des DFB noch NIE eine Strafe gegeben hat! Aber irgendwann muss man ja mal anfangen und bestenfalls bei unserem Verein.

Heute morgen macht dann eine Nachricht die Runde, die hoffentlich nur eine Ente ist. Aufgrund der Schweinske-Cup-Geschichte wurden Stadionverbote ausgesprochen. Wer und wieviele davon betroffen sind – keine Ahnung! Wahrscheinlich wird man in den nächsten Tagen genauere Informationen dazu bekommen. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Vorgehen an unserem Verein vorbeigegangen ist und er mit den Lügenbaronen von DFB & Co. nicht unter einer Decke hockt … ansonsten wäre es das der größte Arschtritt gegenüber der Fanszene des FC St. Pauli schlechthin!

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