Neues Jahr, neue Tribüne, altes Leid …

Irgendwie habe ich derbe Schwierigkeiten eine passende Einleitung für die Geschehnisse vom Sonntag zu finden. Das 0:0 nervt einfach und schlägt auch heute immer noch aufs Gemüt. Man hat ja gelernt im Laufe dieser Saison kleinere Brötchen zu backen, aber nach Vorbereitung und den guten Ergebnissen in den Testspielen, habe ich doch etwas mehr erwartet. Nachdem Schlusspfiff blieb – wie so oft in dieser Spielzeit die Erkenntnis, daß die Mannschaft einfach nicht die nötige Qualität besitzt. Da hilft kein Schönreden, kein Wunschdenken und auch kein “Ja aber” – es ist einfach so!

Eine Mischung aus guten Fussballern, die alle irgendwie Ihre Stärken haben, aber dennoch im Kollektiv relativ harmlos und durchschaubar sind. Der eine läuft die Linie rauf und runter, kann aber keine gefährlichen Flanken schlagen, geschweige denn durch so etwas wie Spielübersicht glänzen. Der andere favorisiert das gepflegte Kurzpassspiel, ist technisch versiert, verliert aber nahezu jeden Zweikampf. Man hat das Gefühl die Jungs müssen jedes Spiel bis zum absoluten Limit gehen, aber ohne den gewünschten Erfolg. Das ist schon sehr frustrierend. Aber wie will man auch Spiele gewinnen, wenn keine überraschenden Momente aus dem Mittelfeld kommen. Kein tödlicher Pass, keine geniale Idee. Unser Spiel nach vorne wirkt so lasch. 18 Tore in 20 Spielen sprechen eine deutliche Sprache.

Selbst bei Standardsituationen passiert einfach nix. Bezeichnend für mich die letzte Aktion im Spiel. Der Freistoß von Daube. Zaghaft in Richtung Fünfer, genau auf den Kopp des Cottbuser Abwehrspielers. Einigermaßen gefährliche Flanken in 90 Minuten Spielzeit, kannst du eh an einer Hand abzählen. Und wenn diese Hand nur 2 Finger hat, dann biste immer noch voll im Soll.

Vielmehr möchte ich zu dem Spiel auch nicht schreiben. Wer live dabei war, wird ungefähr verstehen, was ich meine. Wer das Spiel nicht gesehen hat, der hat wahrlich auch nichts verpasst.

Neben dem eher mauen Auftritt auf dem grünen Rasen, durften wir uns allerdings über die Einweihung einer komplett gefüllten neuen Gegengerade freuen. Und ich muss sagen – Respekt! Hab tatsächlich vorm Spiel und vor allem bei “You never walk alone” kurzzeitig mal ´ne ordentliche Portion Gänsehaut gehabt. Was sich allerdings am Anfang sehr vielversprechend anhörte, flachte dann im Spiel immer mehr ab. Ich kann es etwas verstehen, denn Stimmung im Stadion steht und fällt einfach mit den Geschehnissen auf dem Platz. Wenn das Gekicke auf dem Rasen einfach so dahinplätschert, es kaum spannende Spielszenen zu sehen gibt, dann fällt man auch schnell mal in so ´ne Art “Stimmungslethargie”. Ist bei mir ja nicht anders. Ich ertappe mich dann auch oft dabei, dass ich einfach mit verschränkten Armen dastehe und die Zähne nicht mehr auseinander bekomme bzw. einfach nur so leise vor mich hin summe.

Ich denke, daß man der neuen Gegengerade noch etwas Zeit geben muss. Ich kann mir gut vorstellen, daß auf dieser Tribüne nun auch allerhand Leute Platz gefunden haben, die es bisher einfach nicht so oft (aufgrund von Kartenknappheit) ins Stadion geschafft haben. Die müssen sich erstmal an die Lautstärke gewöhnen. ;)

Deshalb sehe ich es auch nicht ganz so schwarz, wie mein lieber Freund von der Breitseite. Das wird schon. Lass die Mannschaft auf dem Platz einfach mal ´nen fussballerisches Feuerwerk abbrennen und dann wirds auch auf dieser Tribüne richtig laut. Davon bin ich überzeugt! Beeindruckend ist das Bauwerk auf alle Fälle, auch wenn natürlich der Charme der alten Gegengerade etwas auf der Strecke geblieben ist. Ich freue mich jedenfalls auf das Spiel am ungeliebten Montag Abend gegen den Äffzeh.

Flutlicht, volles Haus, Stanis Rückkehr und hoffentlich mal wieder ´nen Torerfolg.

Weniger beeindruckend ist die Situation auf der Haupttribüne. Jesses, was für ein trostloses Bild. Die gähnende Leere auf den Buisness Seats lässt sich jedenfalls nicht mit besonders leckeren Lachshäppchen in der Halbzeitpause erklären. Die Plätze blieben 90 Minuten lang leer und unbenutzt. Und hier muss sich der Verein endlich mal was einfallen lassen. Rückbau heißt das Stichwort! Mit dem Bau der neuen Gegengerade und dem erhöhten Kartenkontingent, wird es kaum noch jemanden geben, der sich für ein Spiel gegen Jahn Regensburg so ´nen Ticket gönnt, nur um dabei sein zu können. Die Zeiten sind vorbei.

Jetzt in den Niederungen der 2. Bundesliga ist St. Pauli einfach nicht mehr so spannend für Geschäftskunden & Co. und das sollte die Verantwortlichen endlich mal kapieren. Schafft mehr bezahlbare Sitzplätze und sorgt dafür, daß auch die Haupttribüne in Zukunft sinnvoll genutzt werden kann. Nur so wirkt das Ganze einfach unfassbar traurig und abgesehen davon kostet es dem Verein wahrscheinlich auch ´ne Menge Geld.

Genauso traurig wie die gähnende Leere auf der Haupttribüne, war die Reaktion vieler Stadionbesucher in den anderen Sitzplatzbereichen, speziell im Bereich der Südkurve.

ABER IGNORANZ IST ALLES !!!

Da geben sich die Leute der Basch wochenlang Mühe, um eine kostenlose Gesamtauflage von 25.000 Exemplaren aus dem Hut zu zaubern und jedem Besucher im Stadion die Faszination “Ultrà” etwas näher zu bringen, zu informieren oder evtl. Vorurteile aus dem Weg zu räumen und dann werden diese kostenlosen Hefte gnadenlos ignoriert und bleiben unbenutzt an den Sitzen kleben. Unfassbar! Diese Leute haben es tatsächlich verstanden, worum es geht. Hauptsache der Arsch ist schön warm und die teure Winterjacke wird nicht schmutzig! Absolut beschämend, mehr fällt mir dazu nicht ein.

Ich möchte von diesen Leuten in Zukunft keine Anfeindungen mehr hören, wenn es um das Thema Ultrà oder aktive Fanszene im Allgemeinen geht. Wer soviel Desinteresse an den Tag legt, der hat im Stadion eigentlich nichts verloren und muss sich auch nicht wundern, wenn er mit Dingen konfrontiert wird, die ihm mal so gar nicht in die Tüte passen.

Und damit ist von meiner Seite aus alles gesagt. Eventuell hau´ich die Tage noch ein Bilder vom Spieltag raus.

Mehr Spielberichte, Bilder, Informationen und Erlebnisse zum Spiel gegen Cottbus findet man auch hier:

MagischerFC
Der Übersteiger
Kleiner Tods FC St. Pauli Blog
Breitseite St. Pauli
Ultrà Sankt Pauli
Pathos Blutgrätsche
Gegengeraden-Gerd

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2 Antworten auf Neues Jahr, neue Tribüne, altes Leid …

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